Ein Nachmärz-Produkt

1998 beschäftigte sich die Geschichtswerkstatt St. Georg in ihrem Projektschwerpunkt mit dem Revolutionsjahr 1848. In diesem Rahmen entwickelten Chrishy Artus, Marina Friedt, Harald Heck, Michael Joho und Rita Kreis ein szenisches Projekt, das im November 1998 im Drachenbau aufgeführt wurde (Szene 1852). Da bis 1868 St. Georg mit dem Hammerbrook als Vorstadt Hamburgs firmierte, benannte die Gruppe sich als „Vorstadtbühne St. Georg", quasi an eine Tradition anknüpfend, die bis zum heutigen Tag des historischen Nachweises bedarf.

Seither hat sich die Vorstadtbühne als fester Bestandteil innerhalb der jeweiligen Jahresprojekte der St. Georger Geschichtswerkstatt etabliert. Die ersten fünf Produktionen waren allesamt Eigenschöpfungen des Kollektivs. Auf Dauer erwies sich der Entstehungsprozeß der jeweiligen Stücke als zu aufwändig und zeitintensiv, um mit den Jahresprojekten noch Schritt halten zu können. Nebenbei führte diese Arbeitsweise zwar zwangsläufig zu einer sehr intensiven Auseinandersetzung mit den jeweiligen Themen; dafür blieb am Ende zu wenig Zeit für Probe und SchauSpiel. Denn, wenig erstaunlich, mit jeder neuen Produktion wuchs auch der Anspruch einer adäquaten schauspielerischen Umsetzung. Mit King Kongs Töchtern wurde erstmals ein fremdes Stück adaptiert und bei der Aneignung externer Texte blieb's bis heute.

Da alle Ensemblemitglieder Feierabendaktricen und -akteure sind, leistet sich die Vorstadtbühne den Luxus, jedes Stück nur an zwei Folgeabenden aufzuführen (bis zur Schlachtplatte in 2002 wurde jede Neuschöpfung sogar nur einmal auf die Bühne gebracht). Hier & jetzt alles geben - auch dabei ist's geblieben.