Am 5. Oktober 1808 kam ich in Magdeburg zur Welt. Meine Mutter Christine war Köchin, mit meinem Vater, einem französischen Offizier namens Terijon, war sie nicht verheiratet. Er blieb 1812 im Feldzug gegen Ru§Iand verschollen. Meine Mutter heiratete später den Schneider Bern. Ich wurde im bittersten Elend aufgezogen, so daß ich jetzt noch ein Grausen verspüre, dasselbe zu beschreiben. Nach dem Besuch der Mittelschule wurde ich in eine Schneiderlehre gesteckt.
Mit zwanzig Jahren verließ ich meine Heimatstadt und besorgte mir einen falschen Paß, so daß ich fürderhin als Hamburger Geselle reiste. Solcherart konnte ich mich der Militairplicht und dem gleich ungeliebten preußischen Vaterlande entziehen. In Leipzig arbeitete ich als Damenschneider und wurde dortselbst 1830 teilnehmender Zeuge der drolligen Revolutionsposse, die mich immerhin lehrte, die in den Volksmassen steckende Macht zu erfahren. 1832 zog ich weiter über Dresden und Prag nach Wien, wo ich von 1833 bis 1835 unter sehr kommoden Bedingungen leben konnte. In Wien kam ich mit mir darüber ineins, daß meine größten Hoffnungen auf die Revolution zu richten seien und ich meine bürgerliche Unterthanenwohlfahrt dafür aufs Spiel zu setzen habe. Die Sehnsucht nach gleichgesinnten Männern trieb mich fort nach Paris, wo ich - um mich zu ernähren - das Männerkleidermachen lernen und von nunmehr bescheidenen Verdiensten kümmerlich leben mußte.
Während meines ersten Pariser Aufenthalts trat ich dem Bund der Geächteten bei, den ich, nach einem kurzen Wiener Intermezzo, bei meiner Rückkehr nach Paris 1837 in Spaltung begriffen vorfand. Hier schloß ich mich nunmehr dem Bund der Gerechten an, der mich beauftragte, eine Programmschrift zur Gütergemeinschaft zu verfassen. So entstand unter großen zeitlichen und ökonomischen Entbehrungen „Die Menschheit, wie sie ist und wie sie sein sollte". Es war dies in der Tat die erste programmatische Wortmeldung der deutschen Arbeiterbewegung, worin wir nicht auf eine Reform der bestehenden bürgerlichen Gesellschaft sondern auf die Aufklärung der Massen und auf Revolution setzten, um eine gerechte soziale Ordnung zu verwirklichen.
Da ich in Paris meiner Tätigkeiten wegen auf der Polizeiliste politischer Umtriebe geführt wurde, wechselte ich im Auftrage des Bundes nach Genf. Dort gelang es mir, kommunistische Bildungs- und Unterstützungsvereine unter den Arbeitern und Handwerkern zu gründen, Kostanstalten und einen Geheimbund zu initiieren und eine Monatsschrift herauszugeben, den „Hülferuf der deutschen Jugend" (1841), ab 1842 bis Mai 1843 erschien sie unter dem Titel „Die junge Generation" und fand bis London und Paris Verbreitung. Zu der Zeit schrieb ich auch die „Garantien der Harmonie und Freiheit", über die Heine urteilte, es sei der „Katechismus der deutschen Kommunisten".
In Zürich wurde ich 1843 verhaftet. Die dortigen Pfaffen hatten mich eines Prospekts meiner Schrift „Das Evangelium des armen Sünders" wegen denunziert. Wegen Religionsstörung, Anreizung zum Aufruhr, Erregung öffentlichen Ärgernisses und Anstiftung zum Diebstahl wurde mir der Prozeß gemacht, und ich wanderte für zehn Monate bis zum Mai 1844 ins Gefängnis. Ich wurde schnurstracks über etliche deutsche Gefängnisse nach Magdeburg verschoben. Die preußischen Behörden wollten mich so schnell wie möglich loswerden. Nach Schikanen durch die Polizei willigte ich schließlich in meine Aussiedlung nach Amerika ein.
Am 23. August schiffte ich mich von Hamburg aus nach London ein. Anstatt weiterzureisen, entzog ich mich dort der Überwachung und nahm Kontakt zum Bund der Gerechten auf. Ich lebte dort vom August 1844 an siebzehn Monate. Verfaßte hier das Manuskript meiner Schrift „Gerechtigkeit - Ein Studium in 500 Tagen"; arbeitete an einer „Denk- und Sprachlehre", konnte aber keinen Verleger finden. Beteiligte mich am Vereinsleben der Handwerker, hielt Vorträge über den Kommunismus. Beteiligte mich an Diskussionen im Londoner Arbeiterbildungsverein. Anfang 46 weiter nach Brüssel. Zerwürfnis mit den in Brüssel agierenden deutschen Kommunisten um Marx, Engels, Wolff, Seiler. Ging Ende 46 nach New York, um dort als Redakteur des „Volks-Tribun" zu arbeiten; just war die Zeitung verschuldet eingegangen. Fristete meinen Lebensunterhalt mit Flugschriften, der Herausgabe und dem Vertrieb einer englischen Übersetzung meines „Evangeliums". Ich agitierte erfolgreich und konnte einen Befreiungsbund stiften, der nach dem Vorbild des amerikanischen Logenwesens sich in den großen Städten ausbreitete.
Als 1848 in Deutschland die Märzrevolution ausbrach, wurde ich von der New Yorker Loge des Befreiungsbundes als Vertreter des Bundes nach Deutschland geschickt. Am 21. November 1848 aus Berlin gewiesen ging ich nach Hamburg. Lebte dort unter dem Scheine eines harmlosen Literaten, konnte aber sehr erfolgreich unter Handwerkern und Arbeitern einige Hundert Mitglieder für den Befreiungsbund werben, bis ich nach dem Einmarsch der Preußen im August 49 das Land fluchtartig verlassen mußte und nach New York zurückkehrte. Ab 15. Januar 1850 Herausgabe der „Republik der Arbeiter", zunächst als Monatsschrift, ab April 51 wegen der vielen Abnehmer als Wochenschrift.
Nun, im Moment befinde ich mich gerade einmal wieder auf Stippvisite in Deutschland, selbstverständlich unter anderem Namen. Denn es ist gefährlich für solche Aufrührer wie mich, von irgendeinem Officianten erkannt zu werden. Am heutigen Tage bin ich in Hamburg angekommen, nicht zuletzt um hier mit meinem alten Freund aus Revolutionszeiten, Carl Bühring, zusammenzutreffen. Er will mich mitnehmen zum alten Campe, mit dem ich früher schon zu tun hatte.