Ich bin am 31. Dezember 1820 in Güstrow geboren. Mein Vater ist der Messerschmiedemeister Carl Christian Bühring, auch aus Güstrow. Es war nicht immer ganz einfach zuhause. Daher bin früh aus meiner Vaterstadt ausgebüxt. Ich habe mich als Schiffsjunge verdingt; so bin ich schon in jungen Jahren viel herumgekommen. Auch die Ausbeutung und den Hunger habe ich dabei kennengelernt. Weil ich nun mal eine Mecklenburger Landratte bin, habe ich aber doch in die See gespuckt und bin Tischler geworden. Als Geselle wanderte ich umher, immer auf der Suche nach bezahlter Arbeit. Es waren schlechte Zeiten, und das Elend dräute mich sehr.
Erst als ich 1843 nach Berlin kam, ging es leidlich. Gewohnt habe ich zur Aftermiete bei älteren Collegen. Die haben mir auch beigebracht, warum soviele von uns in Armut und Elend darben, weil nämlich andere im Reichtum schwelgen. Daß ich „ein fleißiger Arbeiter" bin und „sehr sparsam" lebe, das haben sie mal über mich in einem Polizeibericht geschrieben. Aber noch besser wird's darin ein paar Zeilen weiter: „Er hatte einen mächtigen Drang zur wissenschaftlichen Ausbildung, der ihn beim Mangel gründlicher wissenschaftlicher Kenntnisse zum Communismus geführt hat." Nein, wegen des Mangels an Allem sind wir zum Kommunismus gekommen! Jawohl, ich bin früh Kommunist geworden, und den Glauben daran habe ich noch heute.
Schon bald nach meiner Ankunft in Berlin trat ich dem Bund der Gerechten bei. 1845/46 leitete ich den „Vorwärts", eine der vier Berliner Gemeinden dieses revolutionären Handwerker-Bundes. Leider flog unser Verein auf. Am 9. Dezember 1846 wurde ich zusammen mit anderen Genossen arretiert. In dem Urteil vom 14. Juni 1847 haben sie mir dann die Mitgliedschaft in einer „strafbaren Gesellenverbindung" und die „wissentliche Verbreitung verbotener Schriften" vorgehalten. Ein halbes Jahr Untersuchungshaft, weil ich mich für die Sache der Arbeiter interessierte! Immerhin war die Zeit nicht vergebens. Viele von uns saßen im Gefängnis. Und was der eine nicht wußte, brachte ihm der andere bei. Noch im Juni 1847 haben sie mich dann aus Berlin ausgewiesen.
Ich bin dann gleich nach Hamburg. Von anderen Gesellen hatte ich gehört, daß es dort eine starke Bundesgemeinde gibt. Und eines war mir klar: Einsperren können die mich, aber meiner Überzeugung bleibe ich treu. Und die kann ich überall vertreten, denn überall ist Ausbeutung und Not. Als ich in Hamburg ankam, war der Bund der Gerechten gerade in Bund der Kommunisten umbenannt worden. Das fand ich von Anfang ehrlicher. Jetzt hieß es natürlich erst Recht, Vorsicht walten zu lassen. Aber im damaligen Hamburger Arbeiterbildungsverein wußten wir schon, wovon gesprochen wird. Mit Hilfe von hiesigen Genossen ist es mir recht schnell gelungen, eine Arbeit bei einem Tischlermeister zu bekommen. Der betrieb seine Werkstatt in St. Georg, gleich neben dem Zimmerborgesch, wo die Hamburger Zimmerer ihre Plätze hatten. Und er stand unserer Bewegung recht nahe. Das hat mir manches Mal den Rücken freigehalten.
Im April 1848 gründete ich mit einigen anderen Handwerkern und Fabrikarbeitern den Arbeiterverein St. Georg. Wir hatten bald 40 Mitglieder, und ich wurde zum Präsidenten gewählt. Nach außen hin vermittelten wir immer den Eindruck eines Bildungszirkels für Arbeiter. Abends erteilten wir uns Unterricht in Elementarkenntnissen, es gab Redeübungen, Vorträge und auch Diskussionen. Aber wenn wir sicher waren, daß kein Polizeispitzel zugegen ist, haben wir die Schriften von Dr. Karl Marx und Wilhelm Weitling besprochen. Und die Konsequenzen für uns Arbieter. Bei einer geheimen Zusammenkunft - es muß im Dezember 1848 gewesen sein - habe ich den Genossen Weitling auch persönlich kennengelernt. Seitdem stehen wir bisweilen brieflich im Kontakt, wenngleich ich nicht alle seine Auffassungen teile.
Seitens des St. Georger Arbeitervereins habe ich den Aufruf zum ersten Allgemeinen Arbeiterkongreß unterzeichnet, der dann im Spätsommer 1848 in Berlin tagte. Ein großartiges Erlebnis, soviele Gleichgesinnte aus verschiedensten deutschen Städten zu treffen. Im September gehörte ich dann natürlich zu den Mitbegründern des hamburgischen Bezirkskomitees der Arbeiterverbrüderung. Und dem bekannten Herrn Dr. Marx aus Köln bot ich an, als Korrespondent für seine Kölner „Neue Rheinische Zeitung" tätig zu werden. Berichte aus Hamburg und seiner Vorstadt St. Georg wollte ich ihm zuschicken, es ist jedoch nie so recht was draus geworden.
Wahrlich, bewegte Monate damals, selbst in der ansonsten eher nach Pfeffersäcken muffenden Stadt. Als die Revolution überall zu scheitern drohte, wollten wir Anfang 1849 noch einmal so richtig auf die Pauke hauen, das Volk bewaffnen, um unsere Rechte durchzusetzen. Aber wir wurden mehr und mehr von den sogenannten Liberalen und den Demokraten verraten. Die haben letztlich lieber mit den Preußen paktiert und die Revolution, nicht nur in Baden 1849 niederkartätscht.
Leider mußte ich dann Ende März 1849 die Stadt ziemlich überstürzt verlassen. Da gab es ein paar persönliche Probleme. Aber in Bremen habe ich mich gleich wieder daran gemacht, die Arbeiter in der Verbrüderung zu organisieren. Aber allzulange hat's mich dort auch nicht gehalten. Und so bin ich schließlich nach Güstrow zurückgekehrt, wo man mich noch nicht ganz vergessen hatte. Im dortigen Arbeiterverein setze ich mich weiterhin für die Emanzipation der arbeitenden Klasse ein. Und mit meinen 31 Lenzen habe ich mir da auch noch einiges vorgenommen.
Ach ja, der Herr Campe... Er war ja nun in erster Ehe - glaube ich - mit einer entfernten Verwandten von mir, Frau Christina Magdalena Catharina Bühring, kopuliert. Das waren ja keine ganz einfachen Verhältnisse, habe ich gehört. Vielleicht hat er mich ja auch deswegen heute Abend eingeladen? Bin ja auch gespannt, was er zu Weitling sagt. Und wer sonst noch kommt? Lassen wir uns überraschen...