Plakat zum Stückwir schlafen nicht

Eine szenische Lesung in fünf Bildern nach einem Theaterstück von Kathrin Röggla

Die beiden Aufführungen fanden am 28. und 29. März in der Pausenhalle der Heinrich-Wolgast-Schule statt.

„Eigentum verpflichtet - zu nichts?!" So lautete der Projektschwerpunkt der Geschichtswerkstatt St. Georg in 2007/08. Die Vorstadtbühne beteiligte sich am Jahresprogramm mit dieser szenischen Lesung. WIR SCHLAFEN NICHT ist keine singuläre Einstellung einiger Arbeitsjunkies: wer schläft, arbeitet nicht; schlimmer noch, wer schläft, könnte träumen. Wieviel von mir gehört noch mir, wenn nicht einmal die Zeit zum Träumen bleibt? Wie wirkt sich die Zunahme der organischen Zusammensetzung des Kapitals auf die Lebens- und Überlebensstrategien von Menschen im gehobeneren Management aus, die bis in die Sprache hinein sich dem Verwertungsprozeß unterworfen haben?
„noch einmal sage er: man könne nicht vorschlafen, das sei seine meinung. der körper speichere schlaf nicht, er speichere alles mögliche, aber schlaf, das schaffe er nicht. man müsse sich eben nach anderen möglichkeiten umsehen - "

Zum Stück

Ob Unternehmensberater, Online-Redakteurin, Key account managerin oder Praktikantin: sie schlafen nicht. Denn es geht um Organisation, um Briefings, um Meetings, ums Funktionieren. Sie erzählen von ihrer Arbeitswelt, von der Droge Arbeit, von Hierarchien, Erfolg, Konkurrenz und Privatleben. Ein entlarvender Einblick in die Selbstwahrnehmung von sechs prototypischen Charakteren, über die man sagt, dass sie unsere Gegenwart gestalten. Berichte aus der Innenwelt der Geschäftszentralen.

Kathrin Röggla hatte über den langen Zeitraum von 2001 bis 2003 Interviews geführt und aus diesen Aufnahmen einen Text generiert, aus dem die Fragerin vollständig ausgeklammert wurde. Dadurch wirken die in indirekter Rede montierten Statements zunehmend wie Gespenstergeschichten - solcherart werden Risse offenbar in der Rhetorik der Sebstdarstellung und Selbstwahrnehmung, hinter denen noch Reste von Eigensinn überdauerten. Jedoch scheints, als gäbe es aus dem „Mövenpickpastelldickicht" kein Entkommen. Der einzige Widerstand, der zum ungnädigen Ende hin das Wort ergreift, beharrt auch nur auf seinem Recht der Gesprächsverweigerung.

„Allgemein zeigt die subjektive Klassenzugehörigkeit heute eine Mobilität, welche die Starrheit der ökonomischen Ordnung selber vergessen macht: stets ist das Starre zugleich das Verschiebbare. Selbst die Ohnmacht des Einzelnen, sein ökonomisches Schicksal noch vorauszukalkulieren, trägt das ihre zu solcher tröstlichen Mobilität bei. Über den Sturz entscheidet nicht Untüchtigkeit, sondern ein undurchsichtiges hierarchisches Gefüge, in dem keiner, kaum die obersten Spitzen, sicher sich fühlen darf: Egalität des Bedrohtseins."
(Theoder W. Adorno: Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben: Vexierbild. Gesammelte Schriften 4, S. 221)

DarstellerInnen

Jutta Gritti (die key), Daniel Guckelsberger (der it), Harald Heck (der partner),
Michael Joho (der senior), Barbara Leuschner (die praktikantin) und Kathrin Schmidt (die online).