Der Himbeerpflücker

Komödie in drei Akten von Fritz Hochwälder,
in der Bearbeitung von André Becker.

Die beiden Aufführungen fanden am 7. und 8. April 2006 statt.

Vorgeschichte

Eingebettet in den Projektschwerpunkt „1945 ff." der Geschichtswerkstatt gingen unsere Überlegungen zunächst dahin, ein eigenes Stück zu entwickeln, in das verschiedene Komplexe eingearbeitet werden sollten: Nachkriegstheater auf improvisierter Bühne; Aufarbeitung der Vergangenheit vs. Unterhaltung als Verdrängung; Auseinandersetzung von Exilierten mit „Dabeigebliebenen". Recherche und Umsetzung erwiesen sich als so langwierig und aufwändig, daß zu guter Letzt doch auf ein fertiges Theaterstück zurückgegriffen wurde, das zwar noch um einige Rollen gekürzt und entsprechend umgearbeitet werden mußte, jedoch die Gewähr bot, tatsächlich aufgeführt werden zu können (wenngleich zwei Monate später als zum ursprünglich angekündigten Premierentermin).

Zum Stück

Ausgerechnet in Bad Brauning, einem Jeder­manns­kaff, in dem die alten Kameraden als anerkannte Bürger ihr Fort- und Einkommen pflegen, sucht ein kleiner Gauner im Dorfgasthof Unterschlupf. In ihm glaubt man den berüchtigten Himbeerpflücker zurückgekehrt, einen gesuchten Naziverbrecher, der Tausende in einem ortsnahen Himbeerschlag erschossen hatte. Da vom Abspritzen sogenannter Lebensunwerter bis zur Denunziatin von Nachbarn die ehrenwerten Leut einiges zu verbergen haben, biedern sich die einstigen Parteigenossen dem vermeintlichen Himbeerpflücker an, um ihm zur Flucht zu verhelfen und vor allem, um den störenden Mitwisser wieder loszuwerden. Als Meister im Intrigenspiel zeigt sich der Wirtshausbesitzer und Bürgermeister Steisshäuptl, der seinen fulminanten Aufstieg einer unterschlagenen Kiste jüdischen Zahngolds verdankt. Selbst die eigene Tochter ist ihm in diesem miesen Spiel als Trumpf nicht zu schade.
Fritz Hochwälder, österreichischer Emigrant, verknüpft in dieser 1965 uraufgeführten Komödie Elemente der Bürgersatire mit volkstümlichem Schwank zur schonungslosen Abrechnung mit den braunen Mitläufern und Gesinnungsnazis, die immer noch auf Verjährung spekulieren, während die Gesellschaft längst schon die einstigen Kriegsverbrecher unbeschadet läßt, aber unerbittlich und wie stets die kleinen Gauner dingfest zu machen weiß.

DarstellerInnen

Jutta Gritti als Fabrikdirektor Meier, Daniel Guckelsberger als Alexander Kerz, Harald Heck als Hausknecht Heinrich, Michael Joho als Baumeister Gruber, Rita Kreis als Doktor Schnopf, Barbara Leuschner als Grappina, Liane Lieske als Köchin Berta, Rainer Schliemann als Bürgermeister Steisshaupt, Kathrin Schmidt als seine Tochter Sieglinde und Frank Walensky-Schweppe als Wachtmeister Ziereis.