Die anderen Stücke
2008
wir schlafen nicht
2007
Bahnhof.Adieu
2006
Der Himbeerpflücker
2005
King Kongs Töchter
2002
Schlachtplatte
2001
MorgenGrauen
1998
Szene 1852
Figuren im Elysium
Vorgestellt als Uraufführung von der Vorstadtbühne St. Georg.
Ein Nachschlag der Geschichtswerkstatt St. Georg e.V. zur Veranstaltungsreihe „Die 20er Jahre“
Die Aufführungen fanden statt am 19. und 20. September 2003 in der Pausenhalle der Heinrich-Wolgast-Schule.
Idee & Realisation
Daniel Guckelsberger (Hannes - Dadaist, Gigolo
und 1. SA-Mann)
Harald Heck (Friedrich - Kriegsversehrter
und Richard - Kommunist)
Michael Joho (Wilhelm - Wirt)
Rita Kreis (Lilly - freie Journalistin, Garconne)
Barbara Leuschner (Rosa - Prostituierte)
Liane Lieske (Frau Ruckteschl - Sonjas Mutter
und Sonja - Tänzerin)
Katrin Rösner (Mutter Plischke - Kriegerwitwe)
Rainer Schliemann (Erwin - Schwuler)
Kathrin Schmidt (Gerda - Büroangestellte)
Thomas Schönfelder (Gottfried - Gast),
in weiteren Rollen:
Michael Schulze-Beer (2. SA-Mann),
Peter Grochmann (Maler)
Sylvia Necker (Klavier und Saxophon)
Zum Stück
Das „Elysium“ ist für einige Überlebende des 1. Weltkrieges eindeutig lokalisierbar: eine Kneipe am Hansaplatz im Herzen St. Georgs. Von einem Maler verewigt, werden die Figuren seines expressionistischen Gemäldes, das neben dem Tresen hängt, durch die Erzählungen des Wirts wieder lebendig: Der Dadaist, der mit seiner Kunst kein Bein auf die Erde kriegt und eine Zukunft als Gigolo hat, der Kriegsversehrte, der nur eins auf die Erde kriegt und keine Zukunft mehr hat. Die lebenslustige „neue Frau“ hingegen tanzt mit beiden Beinen durch ein Leben zwischen Emanzipation und Anpassung - immer im Geist der Zeit. Sie hat nicht die Probleme des Arbeiters, der für den Sieg der Arbeiterklasse kämpft, auch nicht die der Garconne, die die Geschlechterrolle infragestellt.
In diesen und anderen Figuren im „Elysium“ spiegelt sich das Auf und Ab der sogenannten „Goldenen Zwanziger“ wider. Aus der Erzählperspektive des Wirts von 1933 sehen wir Lebenssplitter aus Hoffnung und Scheitern, aus Zukunftsentwürfen, in denen Neues ausprobiert werden kann, die dann (im ersten Jahr des tausendjährigen Reiches) einen brutalen Schnitt erfahren, so wie man ein Bild abhängt, weil es nicht mehr in die Zeit passt. Am Ende tauchen zwei SA-Männer auf, die den Wirt auffordern, das „entartete" Gemälde zu entfernen. Er kann sie täuschen - und so wird zumindest das Bild die Zeitläufte überleben. Heute ziert es - immerhin ein echter Grochmann und eigens für die Aufführung gemalt - eine Wand im Büro der Geschichtswerkstatt.
Szenenfolge
Szene 1: Bildersturm 1 (1933)
Szene 2: Überleben ist nicht alles (1919)
Szene 3: Dada lebt noch (1921)
Szene 4: Zerfall der Werte (1923)
Szene 5: Unter der Laterne (1923)
Szene 6: Selbst ist die Frau (1924)
Pause
Szene 7: Silvesterball (1925/26)
Szene 8: Goldene Zeiten (1927)
Szene 9: Auf der Straße (1931)
Szene 10: Die Zukunft ist ein dunkles Loch (1932)
Szene 11: Bildersturm II (1933)